Block 04 · Projektmanagement – Lösungen

Lösungssatz zu 04_Projektmanagement.html · Musterlösungen mit Bewertungshinweisen im IHK-Stil · Netzpläne vollständig mit markiertem kritischem Pfad
Hinweise zur Bewertung Wie in den IHK-Lösungshinweisen sind die Musterlösungen Beispiele: Andere sach- und fachgerechte Antworten werden mit der vorgesehenen Punktzahl bewertet. Stichworte genügen, wenn sie verständlich sind und den Operator erfüllen („erläutern“ verlangt mehr als „nennen“). Antworten ohne Bezug zur Ausgangssituation erhalten bei Aufgaben, die ausdrücklich einen Bezug verlangen, höchstens die halbe Punktzahl. Bei Rechen- und Netzplanaufgaben werden Folgefehler nicht erneut abgezogen. Alle Netzplanwerte und Rechenergebnisse wurden per Skript nachgerechnet.

Lösungen

PM-01 · Stakeholder und Projektbegriffe

Aufgabe PM-01.1 · 6 Punkte

a) Projektmerkmale (3 P) – drei der folgenden

b) Magisches Dreieck (3 P)

Zeit, Kosten und Leistung/Qualität hängen voneinander ab. Wird die Zeit um zwei Monate verkürzt und bleiben die Kosten gleich, muss die Leistung bzw. Qualität nachgeben: Zum Go-Live stehen weniger Funktionen zur Verfügung (z. B. Auswertungen im Webportal erst später), Pilotbetrieb und Tests werden verkürzt – Fehler, etwa bei der Übergabe an CareBill, werden eher in den Echtbetrieb getragen; Schulungen werden gedrängt. Alternativ müsste mehr Personal eingesetzt werden (Überstunden, zusätzliche Entwickler), was die Kosten erhöht und das feste Budget sprengt.

Bewertung: a) je Merkmal mit passendem Beleg aus Anlage 1 1 P, Merkmal ohne Beleg 0,5 P. b) 1 P für den Zusammenhang der drei Größen, 2 P für zwei konkrete Folgen (weniger Leistung/Qualität, Kostendruck, Risiko für Pilot und Schulung).

Erklärung: „Einmaligkeit“ heißt nicht, dass es so etwas weltweit noch nie gab, sondern dass die Bedingungen für dieses Vorhaben einmalig sind. In b) reicht „geht nicht“ nicht – gefragt ist, welche Größe nachgeben muss.

Aufgabe PM-01.2 · 10 Punkte

a) Stakeholder-Tabelle (8 P) – vier der folgenden

StakeholderInteresse / ErwartungEinflussEinstellung
Sabine Hartmann, Pflegedienstleitungschnelle Tourenplanung, lückenlose, prüfsichere Dokumentationhoch (entscheidet fachlich)positiv (wenig Zeit)
Pflegekräfteeinfache, schnelle Erfassung, kein Nachtragen von Papier; keine Überwachungmittel (als Gruppe hoch: ohne Nutzung kein Erfolg)gemischt: jüngere positiv, ältere eher negativ
Betriebsrat (Yusuf Demir)Schutz vor Leistungs- und Verhaltenskontrolle, Betriebsvereinbarunghoch (Mitbestimmung, kann Start blockieren)negativ / kritisch
Petra Lange, Abrechnungsicherer Arbeitsplatz; vollständige Leistungsnachweisegering bis mittel (Fachwissen Abrechnung)negativ
Patientinnen, Patienten, Angehörigeverlässliche Einsatzzeiten, dieselbe Pflegekraft, Schutz ihrer Datengeringneutral, teils skeptisch
Externer DatenschutzbeauftragterDSGVO-konforme Verarbeitung der Gesundheitsdaten, Folgenabschätzung, EU-Hostinghoch (Freigabe nötig)neutral
Lars Nowak, IT-Administrationbeherrschbarer Betreuungsaufwand, zentrale Geräteverwaltungmittelneutral bis skeptisch
CareBill Software AGUmsatz mit Schnittstelle und Zusatzmodulmittel (Testumgebung, Termine)neutral bis positiv
Geschäftsleitung KranichReferenzprojekt, Gewinn trotz Festpreishoch (für das Kranich-Team)positiv

b) Umgang mit dem Betriebsrat (2 P)

Der Betriebsrat ist ein kritischer Stakeholder (hoher Einfluss, negative Einstellung) und muss intensiv betreut werden: frühzeitig und regelmäßig einbinden (z. B. Teilnahme an Sprint Reviews, eigener Abstimmungstermin), Bedenken ernst nehmen und offenlegen, welche Daten gespeichert und ausgewertet werden, und gemeinsam die Betriebsvereinbarung erarbeiten (Zweckbindung, keine Leistungskontrolle).

Bewertung: a) je Zeile 2 P – 1 P für ein passendes Interesse, 1 P für eine plausible Einschätzung von Einfluss und Einstellung. Abweichende Einschätzungen sind richtig, wenn sie zu Anlage 2 passen (z. B. Pflegekräfte „negativ“). b) 1 P Einordnung/Strategie, 1 P konkrete Maßnahme.

Erklärung: Die Beispielzeile (Geschäftsführerin) zählt nicht. Häufiger Fehler: nur „Kunde“ und „Nutzer“ nennen – gerade Betriebsrat und Datenschutzbeauftragter haben hier großen Einfluss.

Aufgabe PM-01.3 · 22 Punkte

a) Begriffe (8 P)

BegriffErläuterungBeispiel aus PflegeMobil
Projektauftragverbindliche, schriftliche Beauftragung durch den Auftraggeber; legt Ziele, Umfang, Budget, Termine, Projektleitung und deren Befugnisse fest; offizieller StartpunktLindenhof (Dr. Esser) beauftragt Kranich mit PflegeMobil: Laufzeit 01.02.–30.11.2027, Budget 420.000 €, Ziele (1)–(4), Projektleiter Tobias Wendt
Kick-off-MeetingAuftaktveranstaltung zum Projektstart: Ziele, Umfang, Rollen, Kommunikationswege und erste Termine vorstellen; Team und Stakeholder lernen sich kennen; gemeinsames Verständnis und MotivationAnfang Februar 2027 mit Geschäftsführerin, PDL, Betriebsrat, Herrn Nowak und dem Kranich-Team; Vorstellung des Zeitplans bis zum Go-Live
MeilensteinEreignis besonderer Bedeutung, Zeitpunkt ohne Dauer, an dem ein prüfbares Ergebnis vorliegen muss; Kontroll- und Entscheidungspunkt„Betriebsvereinbarung unterzeichnet“, „Start Pilotbetrieb Nord“ (Juli 2027), „CareBill-Schnittstelle abgenommen“, „Go-Live aller Standorte“ (01.11.2027)
Lessons Learnedsystematisches Sammeln und Dokumentieren von Erfahrungen (positiv und negativ) am Projektende bzw. nach Phasen, damit künftige Projekte davon profitierenAbschluss-Workshop: „Testumgebung beim Dritthersteller sofort mit Projektstart bestellen“, „Betriebsrat ab Kick-off einbinden“ – nützlich für weitere Pflegedienst-Projekte (Referenz)

b) Befürchtungen und Maßnahmen (6 P)

StakeholderBefürchtungMaßnahme
Geschäftsführung LindenhofProjekt wird teurer als 420.000 €; die Umstellung stört den laufenden Pflegebetriebregelmäßige Statusberichte mit Kostenübersicht an den Lenkungsausschuss, Änderungen nur per Change Request; Pilot an einem Standort, schrittweiser Rollout, Papierverfahren als Notfallplan
Patientinnen und PatientenMissbrauch ihrer Gesundheitsdaten; Unsicherheit beim Unterschreiben auf dem TabletDatenschutzkonzept (Verschlüsselung, EU-Hosting, Rechtekonzept) und verständliches Informationsblatt; Pflegekraft erklärt die Unterschrift, große Unterschriftsfläche, Unterschrift durch Angehörige/Bevollmächtigte möglich
Geschäftsleitung Kranichzusätzliche Anforderungen gehen beim Festpreis zu ihren Lasten (Verlust)Leistungsumfang im Pflichtenheft klar abgrenzen; konsequentes Change-Request-Management mit Nachtragsangeboten; Risikopuffer in der Kalkulation

c) Projekterfolg prüfen (4 P) – zwei der folgenden

d) Change Request „Angehörigenportal“ (4 P)

  1. Erfassen: Die Anforderung wird als formaler Änderungsantrag (Beschreibung, Begründung, Antragstellerin, Nummer) aufgenommen – nicht einfach „nebenbei“ umgesetzt.
  2. Bewerten: Kranich schätzt Aufwand und Kosten (Nachtragsangebot wegen Festpreis), Auswirkung auf den Go-Live-Termin, zusätzliche Risiken (Datenschutz beim Zugang Angehöriger, Testaufwand) und Nutzen.
  3. Entscheiden: Der Auftraggeber bzw. Lenkungsausschuss (Dr. Esser) entscheidet – annehmen (mit Budget- und ggf. Terminanpassung), ablehnen oder auf Phase 2 verschieben.
  4. Umsetzen und dokumentieren: Bei Annahme Product Backlog, Projektplan, Budget und Vertrag anpassen; die Entscheidung dokumentieren und allen Beteiligten mitteilen.
Bewertung: a) je Begriff 1 P Erläuterung + 1 P passendes Beispiel. b) je Stakeholder 1 P Befürchtung + 1 P passende Maßnahme. c) je Aspekt 2 P (Aspekt + Konkretisierung an den Zielen). d) je Schritt 1 P. Auch richtig: „Eintrag ins Product Backlog, Priorisierung durch den Product Owner“ – voll nur, wenn erkannt wird, dass beim Festpreis die Kosten- und Terminfolgen durch den Auftraggeber entschieden werden müssen.

Erklärung: Typischer Fehler in a): Meilenstein als „Abschnitt“ oder „Phase“ erklären – er ist ein Zeitpunkt. In d) gilt: Ein Change Request wird immer erst bewertet und vom Auftraggeber entschieden; die Pflegedienstleitung kann den Umfang nicht allein erweitern.

PM-02 · Agil / Scrum / User Stories

Aufgabe PM-02.1 · 6 Punkte

a) Zuordnung (3 P)

BegriffKategorieBegriffKategorie
Product OwnerRolleDevelopersRolle
Sprint ReviewEventDaily ScrumEvent
IncrementArtefaktProduct BacklogArtefakt

b) Werte des agilen Manifests (2 P) – zwei der folgenden

c) Zweck des WIP-Limits (1 P)

Das WIP-Limit begrenzt die Anzahl der Aufgaben, die gleichzeitig in einer Spalte bearbeitet werden. So wird Überlastung und paralleles Anfangen vieler Aufgaben vermieden, Engpässe werden sichtbar und Aufgaben werden schneller fertig.

Bewertung: a) je Begriff 0,5 P. b) je Wert 1 P; die Kurzform („Reagieren auf Veränderung“) genügt. c) 1 P für Begrenzung gleichzeitiger Arbeit mit Zweck.

Erklärung: Der Sprint selbst ist ebenfalls ein Event, das Sprint-Ziel eine Verpflichtung zum Sprint Backlog. Prinzipien (z. B. „Änderungen sind willkommen“) statt Werte werden mit 0,5 P bewertet.

Aufgabe PM-02.2 · 10 Punkte

a) Events (6 P)

EventBeschreibung
Sprint PlanningZu Beginn jedes Sprints legt das Scrum Team (Product Owner, Scrum Master, Developers) das Sprint-Ziel fest, wählt die wichtigsten Einträge aus dem Product Backlog aus und plant, wie sie umgesetzt werden. Ergebnis: Sprint Backlog. Beispiel: Sprint-Ziel „Eine Pflegekraft sieht ihre Tagestour auf dem Tablet und kann Leistungen erfassen.“
Daily ScrumTägliches, höchstens 15-minütiges Treffen der Developers zur gleichen Zeit: Fortschritt zum Sprint-Ziel prüfen, Plan für die nächsten 24 Stunden anpassen, Hindernisse benennen (z. B. „Die Testtablets sind noch nicht geliefert“), um die sich der Scrum Master kümmert. Ergebnis: angepasster Tagesplan.
Sprint ReviewAm Ende des Sprints zeigt das Scrum Team den Stakeholdern (z. B. PDL Hartmann, Key-User aus der Pflege, Frau Lange) das fertige Increment, etwa die Leistungserfassung auf dem Tablet. Das Feedback wird gesammelt und das Product Backlog angepasst. Ergebnis: überarbeitetes Product Backlog.

b) User Stories (4 P) – Beispiele

Bewertung: a) je Event 2 P (1 P Zweck/Ablauf, 1 P Ergebnis bzw. Bezug zu PflegeMobil). b) je Story 2 P; fehlt der Nutzen („damit …“), 1 P Abzug; falsche Perspektive oder Inhalt nicht aus Anlage 3: 0 P für diese Story.

Erklärung: Das Review betrifft das Produkt und findet mit Stakeholdern statt; die Retrospektive (nicht gefragt) betrifft die Zusammenarbeit im Team.

Aufgabe PM-02.3 · 20 Punkte

a) Wer schreibt, wer entscheidet? (2 P)

Jeder Projektbeteiligte darf User Stories schreiben – Entwickler, Tester, Designer und sogar Anwender (1 P). Über die Reihenfolge der Umsetzung entscheidet der Product Owner, der für das Product Backlog verantwortlich ist (1 P).

b) Die „three Cs“ (3 P)

c) Akzeptanzkriterien und Definition of Done (4 P)

Akzeptanzkriterien gehören zu genau einer Story und beschreiben das erwartete Verhalten aus Sicht des Anwenders (1 P). Die Definition of Done gilt für alle Backlog-Einträge gleichermaßen und beschreibt allgemeine Qualitätsanforderungen (Code geprüft, automatische Tests bestanden, auf dem Testsystem installiert) (1 P).

d) INVEST-Prüfung (4 P) – zwei der folgenden

e) Aufgeteilte Stories (4 P) – Beispiele

f) Schätzen laut Text (3 P)

Geschätzt wird in Story Points, nicht in Stunden; sie geben die Größe einer Story relativ zu anderen Stories an und berücksichtigen Aufwand, Komplexität und Unsicherheit (1 P). Das ganze Entwicklungsteam schätzt gemeinsam mit Planning Poker (1 P), damit unterschiedliche Sichtweisen früh diskutiert werden und ein gemeinsames Verständnis der Story entsteht (1 P).

Bewertung: d) je INVEST-Kriterium 2 P (Kriterium 1 P, Begründung an der konkreten Story 1 P). e) je Story 2 P (1 P Format Rolle – Ziel – Nutzen, 1 P passendes, prüfbares Akzeptanzkriterium). Antworten in englischer Sprache oder wörtliche Übersetzungen ohne Verständnis: höchstens halbe Punktzahl.

Erklärung: In a) ist „nur der Product Owner schreibt Stories“ falsch – laut Text darf jeder schreiben, der PO ordnet. Bei englischen Texten werden die Antworten im Text gesucht; Vorwissen ist nur Hilfe zum Verstehen.

PM-03 · Anforderungen

Aufgabe PM-03.1 · 5 Punkte

a) Unterschied (2 P)

Funktionale Anforderungen beschreiben, was das System leisten soll – seine Funktionen und sein Verhalten (1 P). Nicht-funktionale Anforderungen beschreiben, wie gut bzw. unter welchen Rahmenbedingungen es das tut – Qualitätseigenschaften wie Leistung, Sicherheit, Benutzbarkeit, Zuverlässigkeit sowie technische, rechtliche und organisatorische Vorgaben (1 P).

b) Zuordnung (3 P)

Nr.123456
Artfnf (Leistung)fnf (Sicherheit)fnf (Verfügbarkeit)
Bewertung: b) je richtige Zuordnung 0,5 P.

Erklärung: Nr. 4 beschreibt wie sicher Daten gespeichert werden – Sicherheitsanforderungen zählen nach IHK-Lösungen zu den nicht-funktionalen Anforderungen. Nr. 2 und 6 enthalten Messgrößen (3 Sekunden, 99,5 %), typisch für nicht-funktionale Anforderungen.

Aufgabe PM-03.2 · 10 Punkte

a) Zuordnung (3 P)

Nr.L / PBegründung
1Lfachliche Anforderung aus Sicht der Nutzer – was gebraucht wird
2Ptechnische Umsetzung (Datenbank, Verschlüsselung, REST) – wie es gelöst wird
3LZiel bzw. Anforderung des Auftraggebers
4Pkonkrete Realisierung der Schnittstelle (Zeitpunkt, Format)
5LMengengerüst als Rahmenbedingung des Auftraggebers
6PArchitektur- und Betriebsentscheidung des Auftragnehmers

b) Ersteller und Bedeutung für die Abnahme (3 P)

Das Lastenheft hat der Auftraggeber, die Lindenhof Pflege gGmbH (Geschäftsführung und PDL), vor der Vergabe erstellt; es beschreibt die Anforderungen aus ihrer Sicht und war Grundlage für das Angebot (1 P). Das Pflichtenheft hat der Auftragnehmer, die Kranich Softwarehaus GmbH, auf Basis des Lastenhefts erstellt; es beschreibt, wie und womit die Anforderungen umgesetzt werden (1 P). Nachdem Lindenhof das Pflichtenheft bestätigt hat, ist es verbindliche Vertragsgrundlage: Bei der Abnahme wird geprüft, ob PflegeMobil die dort festgelegten Leistungen und Abnahmekriterien erfüllt; was nicht darin steht, ist eine Zusatzleistung (Change Request) (1 P).

c) Beobachtung im Vergleich zum Interview (4 P)

Vorteil: Die Beobachtung zeigt den tatsächlichen Arbeitsablauf unter echten Bedingungen – Arbeiten mit Handschuhen, Funklöcher, Zeitdruck zwischen den Einsätzen, Unterschrift in der Wohnung. Auch unbewusste Tätigkeiten und Umgehungslösungen werden sichtbar, die eine Pflegekraft im Interview gar nicht erwähnen würde (2 P).

Nachteil: hoher Zeitaufwand für wenig Breite – ein ganzer Tag ergibt die Sicht nur einer Pflegekraft an einem Standort; zudem ist eine fremde Person in den Wohnungen der Patienten anwesend (Privatsphäre, Einwilligung, Datenschutz), und die Pflegekraft verhält sich beobachtet evtl. anders (2 P).

Bewertung: a) je richtige Zuordnung 0,5 P. b) je 1 P für Ersteller Lastenheft, Ersteller Pflichtenheft und Bedeutung für die Abnahme. c) je 2 P für Vorteil und Nachteil, davon jeweils 1 P für den Bezug zur Pflegearbeit.

Erklärung: Prüffrage für a): Beschreibt der Satz ein Ziel oder Bedürfnis des Kunden (Lastenheft) oder eine technische Entscheidung des Dienstleisters (Pflichtenheft)? Merkhilfe: Lastenheft vom Laien (Kunde) – Was?; Pflichtenheft vom Profi (Dienstleister) – Wie?

Aufgabe PM-03.3 · 18 Punkte

a) Funktionale Anforderungen (6 P) – drei der folgenden

b) Nicht-funktionale Anforderungen, messbar (6 P) – drei der folgenden

c) MoSCoW (4 P)

Nr.AnforderungEinordnungKurzbegründung
1Offline-ErfassungMohne sie in Funklöchern unbrauchbar (Anlage 3)
2Unterschrift auf dem TabletMohne Unterschrift kein vollständiger Nachweis, nicht abrechenbar
3AngehörigenportalWlaut Geschäftsführung erst Phase 2
4DunkelmodusC„angenehm, aber nicht entscheidend“
5Navigation per FingertippSwichtig, aber Umgehung mit üblicher Navi-App möglich
6ÄnderungsprotokollMnötig für Prüfungen durch den Medizinischen Dienst

Begründung (3): Das Angehörigenportal ist ausdrücklich für Phase 2 vorgesehen (Anlage 1 und Notiz der Geschäftsführung in Anlage 3). Es wird in diesem Release bewusst nicht umgesetzt („Won’t have this time“), damit Budget und Go-Live-Termin für die zwingenden Funktionen gesichert sind.

d) „schnell und einfach“ (2 P)

Die Formulierung enthält keine Messgröße und keinen Grenzwert; „schnell“ und „einfach“ sind subjektiv. Bei der Abnahme lässt sich nicht objektiv entscheiden, ob die Anforderung erfüllt ist – das führt zu Streit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Außerdem werden zwei Anforderungen vermischt. Besser: z. B. „Start der App in höchstens 3 Sekunden“ und „Erfassung mit höchstens drei Fingertipps“.

Bewertung: a) je Anforderung 2 P (eindeutig beschrieben und aus Anlage 3 ableitbar). b) je Anforderung 2 P: 1 P passende nicht-funktionale Anforderung, 1 P prüfbare Formulierung mit Messgröße. c) je richtige Einordnung 0,5 P (Nr. 5 auch C, Nr. 6 auch S mit Begründung), Begründung (3) 1 P. d) 1 P „nicht messbar/prüfbar“, 1 P Folge für die Abnahme oder Verbesserungsvorschlag.

Erklärung: Typischer Fehler in b): eine messbare Formulierung ohne Zahl („möglichst große Schaltflächen“). Ob „nur eigene Patienten sehen“ als funktional (Anzeige der eigenen Tour) oder nicht-funktional (Zugriffsschutz) gezählt wird, hängt von der Formulierung ab – beides wird akzeptiert, aber nicht doppelt.

PM-04 · Risikoanalyse

Aufgabe PM-04.1 · 6 Punkte

a) Risiko und Problem (2 P)

Ein Risiko ist ein mögliches, zukünftiges Ereignis, das nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintritt und dann die Projektziele gefährdet (1 P). Ein Problem ist bereits eingetreten und muss sofort behandelt werden (1 P). Beispiel: Ein möglicher Lieferengpass bei den Tablets (R2) ist ein Risiko; sagt der Lieferant die Lieferung tatsächlich ab, ist es ein Problem.

b) Strategien (4 P)

StrategieMaßnahme in PflegeMobil (Beispiele)
VermeidenPilotbetrieb nur mit unterschriebener Betriebsvereinbarung starten (R5); auf den US-Clouddienst verzichten (kein Drittlandtransfer)
VermindernOffline-Synchronisation früh als Prototyp in Funklöchern testen (R3); zweite Person in die Android-Entwicklung einarbeiten, Pair Programming (R4); Tablets verschlüsseln und per MDM fernlöschbar machen (R7, Schaden ↓)
ÜbertragenLiefervertrag mit festem Liefertermin und Vertragsstrafe (R2); Versicherung gegen Diebstahl/Cyberschäden (R7); Testumgebung vertraglich mit Termin und Vertragsstrafe bei CareBill bestellen (R1)
Akzeptierengeringes Lieferrisiko der Tablets (R2) bewusst tragen und einen Zeitpuffer einplanen
Bewertung: b) je Strategie 0,5 P, je passende Maßnahme 0,5 P. Synonyme (ausweichen, mindern/reduzieren, abwälzen, tragen/selbst tragen) sind gleichwertig.

Erklärung: Vermindern kann an der Wahrscheinlichkeit oder am Schaden ansetzen; Verschlüsselung verhindert den Verlust nicht, begrenzt aber den Schaden.

Aufgabe PM-04.2 · 10 Punkte

a) Risikowerte und Rang (3 P)

RisikoR1R2R3R4R5R6R7
Rechnung3 × 42 × 34 × 42 × 53 × 53 × 32 × 5
Risikowert126161015910
Rang3714264

R4 und R7 teilen sich Rang 4 (auch „4 und 5“ ist richtig).

b) Risikomatrix (3 P)

1 2 3 4 5 2 4 6 R2 8 10 R4 · R7 3 6 9 R6 12 R1 15 R5 4 8 12 16 R3 20 5 10 15 20 25 1 1 2 2 3 3 4 4 5 5 Schadensausmaß (S) → Eintrittswahrscheinlichkeit (EW) → Zahl oben rechts = Risikowert EW × S · dunkel/rot: hoch (≥ 12) · mittel: 6–11 · hell/grün: gering (≤ 5)
Abb. L-1: Risiken R1–R7 in der Risikomatrix

Sofort Maßnahmen erforderlich (RW ≥ 12): R3 (16), R5 (15) und R1 (12).

c) Gegenmaßnahmen (4 P)

Bewertung: a) Risikowerte 2 P (je Fehler 0,5 P Abzug), Rangfolge 1 P. b) Einträge 2 P, Nennung R1, R3, R5 1 P. c) je Risiko 1 P konkrete Maßnahme, 1 P passende Strategie.

Erklärung: Die Schwelle „≥ 12“ stammt aus Anlage 5 – R4 und R7 haben zwar das höchste Schadensausmaß (5), wegen der geringen Wahrscheinlichkeit aber nur RW 10.

Aufgabe PM-04.3 · 18 Punkte

a) Problem → Risiko → Gegenmaßnahme (8 P)

ProblemRisikoGegenmaßnahme
PDL sagt Abstimmungstermine häufig abAnforderungen werden nicht rechtzeitig geklärt, Entscheidungen verzögern sich, Sprint Reviews ohne fachliches Feedback → es werden falsche oder unvollständige Funktionen entwickelt; Nacharbeit, Terminverzug beim Go-Live, geringere AkzeptanzStellvertretung bzw. Key-User aus der Pflege mit Entscheidungsbefugnis benennen; kurze, feste Termine (z. B. 30 Minuten nach dem Frühdienst) im Kalender reservieren; Freistellung durch die Geschäftsführung; offene Entscheidungen an den Lenkungsausschuss eskalieren
Festpreis auf Basis grober SchätzungDer tatsächliche Aufwand liegt über der Kalkulation → Verlust für Kranich; Zeit- und Kostendruck führt zu Abkürzungen bei Tests und Dokumentation (Qualität ↓); Streit über den Leistungsumfangdetaillierte Aufwandsschätzung auf Basis des Pflichtenhefts (Expertenschätzung, Planning Poker); Risikozuschlag; Leistungsumfang im Vertrag klar abgrenzen; konsequentes Change-Request-Management mit Nachtragsangeboten; laufendes Kostencontrolling

b) Zwei weitere Risiken (6 P) – Beispiele

RisikoUrsacheAuswirkung
Fehlerhafte Stammdatenmigrationuneinheitliche Daten in der bisherigen Tabellenkalkulation (Dubletten, Tippfehler, veraltete Adressen)falsche Touren und Leistungen, Abrechnungsfehler, Nacharbeit, Pilotstart verzögert sich
Patienten verweigern die Unterschrift auf dem TabletSkepsis älterer Patienten gegenüber Technik und DatenschutzLeistungsnachweise unvollständig, Leistungen nicht abrechenbar, Ziel (3) verfehlt
Wachsender Leistungsumfang (Scope Creep)viele Stakeholder mit zusätzlichen Wünschen (z. B. Angehörigenportal)Aufwand steigt, Go-Live-Termin und Budget gefährdet
CareBill ändert die ImportschnittstelleVersionsupdate beim HerstellerExport funktioniert nicht mehr, Abrechnung verzögert sich
Ausfall des einzigen IT-Administratorsnur eine Teilzeitkraft bei LindenhofTablets werden nicht betreut, Störungen bleiben liegen, Pflegekräfte können nicht dokumentieren
Personalengpass in der Pflege zum Go-LiveKrankheitswelle, Urlaub im HerbstSchulungen fallen aus, Go-Live mit ungeschultem Personal oder verschoben

c) Subunternehmer (2 P)

Strategie: Übertragen (Risikotransfer) (1 P). Neues Risiko, z. B.: Abhängigkeit vom Subunternehmer (Terminverzug, schlechte Qualität, Insolvenz), fehlendes eigenes Know-how für Wartung und Fehlerbehebung, Abstimmungs- und Schnittstellenprobleme, zusätzlicher Datenschutzaufwand (Auftragsverarbeitung) (1 P).

d) Regelmäßige Wiederholung (2 P)

Risiken verändern sich im Projektverlauf: neue Risiken kommen hinzu (z. B. durch Change Requests oder Erkenntnisse aus dem Pilot), Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schäden ändern sich (R1 entfällt, sobald die Testumgebung bereitsteht), und die Wirkung der Maßnahmen muss überprüft werden. Nur mit einer aktuellen Risikoliste kann rechtzeitig gegengesteuert werden.

Bewertung: a) je Zeile 2 P Risiko (Ereignis mit Auswirkung auf Termin, Kosten oder Qualität) + 2 P passende, konkrete Gegenmaßnahme. b) je Risiko 3 P (Risiko, Ursache, Auswirkung je 1 P); Risiken aus Anlage 5 oder aus a) zählen nicht. c) und d) je 1 P pro Aspekt.

Erklärung: In a) ist das Problem schon da – das Risiko ist die mögliche Folge für das Projekt. „Die PDL hat keine Zeit“ noch einmal als Risiko hinzuschreiben, bringt keine Punkte.

PM-05 · Klassische Vorgehensmodelle und Prototyping

Aufgabe PM-05.1 · 6 Punkte

a) Kategorien (2 P)

Klassische (sequenzielle, plangetriebene) Vorgehensmodelle, z. B. Wasserfallmodell oder V-Modell (1 P); agile (iterativ-inkrementelle) Vorgehensmodelle, z. B. Scrum oder Kanban (1 P).

b) V-Modell (4 P)

TestaktivitätTeststufeEntwurfsphase
1. Gesamtsystem gegen Pflichtenheft, inkl. AntwortzeitenSystemtestfunktionaler Systementwurf
2. Frau Lange prüft mit echten Monatsdaten gegen das LastenheftAbnahmetestAnforderungsdefinition
3. Methode, die ein XML-Element erzeugtKomponententest (Modul-/Unit-Test)Komponentenspezifikation (Feinentwurf)
4. Zusammenspiel Export-Modul, Plausibilitätsprüfung und CareBillIntegrationstesttechnischer Systementwurf (Architektur)
Bewertung: a) je Kategorie mit Beispiel 1 P („sequenziell/iterativ“ wird ebenfalls akzeptiert). b) je Zeile 0,5 P Teststufe + 0,5 P Entwurfsphase.

Erklärung: Je „höher“ die Teststufe, desto gröber die Entwurfsstufe, gegen die geprüft wird. Der Abnahmetest validiert gegen die Anforderungen des Kunden.

Aufgabe PM-05.2 · 10 Punkte

a) Horizontal und vertikal (4 P)

Ein horizontaler Prototyp bildet eine Schicht des Systems – meist die Benutzungsoberfläche – in der Breite ab (viele oder alle Masken), ohne dahinterliegende Logik und Datenhaltung. Er dient dazu, Bedienung und Abläufe mit den Anwendern abzustimmen (2 P).

Ein vertikaler Prototyp realisiert einen schmalen, ausgewählten Funktionsausschnitt vollständig durch alle Schichten (Oberfläche, Logik, Datenhaltung, Schnittstellen). Er dient dazu, die technische Machbarkeit zu prüfen (2 P).

b) Eignung (4 P)

c) Risiken des Prototypings (2 P) – zwei der folgenden

Bewertung: a) je Prototyp 1 P Merkmal + 1 P Zweck. b) je Vorhaben 1 P richtige Art + 1 P Begründung am Szenario. c) je Risiko 1 P.

Erklärung: Der horizontale Prototyp für die Oberfläche ist typischerweise ein Wegwerf-Prototyp; der vertikale Durchstich kann evolutionär weiterentwickelt werden, wenn er sauber programmiert ist.

Aufgabe PM-05.3 · 20 Punkte

a) Klassisch und agil (8 P)

Projektplanung und AnforderungenFlexibilität bei Änderungen
klassischAlle Anforderungen (Tourenplanung, Offline-Erfassung, Unterschrift, CareBill-Export …) werden zu Projektbeginn vollständig erhoben und im Lasten- und Pflichtenheft festgeschrieben. Ein detaillierter Gesamtplan mit Phasen und Meilensteinen bis zum Go-Live am 01.11.2027 entsteht vorab.Änderungen, z. B. neue Wünsche aus dem Pilotbetrieb oder das Angehörigenportal, sind nur über formale Change Requests möglich. Sie sind aufwendig und teuer, weil bereits abgeschlossene Phasen wiederholt werden müssen, und verschieben oft Termine oder Kosten.
agilAnforderungen stehen als User Stories im Product Backlog, das laufend ergänzt und von der Product Ownerin priorisiert wird. Es gibt eine grobe Release-Planung; geplant wird im Detail jeweils für den nächsten Zwei-Wochen-Sprint. Die Anforderungen der Pflegekräfte konkretisieren sich durch deren Feedback.Änderungen sind erwünscht: Neue oder geänderte Anforderungen werden ins Backlog aufgenommen und können ab dem nächsten Sprint umgesetzt werden. Das Feedback aus jedem Sprint Review (PDL, Pflegekräfte) fließt direkt ein. Grenzen setzen Gesamtbudget und Festpreis.

b) Begründung mit der Stacey-Matrix (6 P)

App und Webportal: Die Anforderungen der Pflegekräfte und der PDL sind zu Beginn noch unklar und ändern sich beim Ausprobieren (Bedienung mit Handschuhen, Erfassungsablauf, Darstellung der Tour); technisch ist die Offline-Synchronisation für das Team teilweise Neuland. Das Vorhaben liegt damit im Bereich „komplex“ → agiles Vorgehen mit kurzen Sprints und regelmäßigem Feedback (3 P).

CareBill-Schnittstelle: Die Anforderungen sind klar und stabil (festes XML-Format der Importschnittstelle, bekannte Abrechnungsregeln), die Technik ist bekannt (XML-Export). Das Vorhaben liegt im Bereich „einfach“ bzw. „kompliziert“ → gut im Voraus planbar, klassisches Vorgehen (z. B. V-Modell mit festgelegten Teststufen). Zusätzlich verlangt die Abhängigkeit vom Hersteller (Testumgebung mit sechs Wochen Vorlauf) eine verbindliche Terminplanung (3 P).

c) Nachteile des Wasserfallmodells (4 P) – zwei der folgenden

d) Spiralmodell (2 P)

Das Spiralmodell ist ein iteratives, risikogetriebenes Vorgehen: Das Projekt durchläuft mehrere Zyklen (1 P), und in jedem Zyklus werden vor der Entwicklung zuerst die größten Risiken analysiert und z. B. durch Prototypen reduziert (Ziele festlegen → Risiken analysieren → entwickeln und testen → nächsten Zyklus planen) (1 P).

Bewertung: a) je Zelle 2 P, davon 1 P für den Bezug zu PflegeMobil. b) je Teilsystem 1 P Einordnung in die Stacey-Matrix, 2 P Begründung (Anforderungen und Technik). c) je Nachteil 2 P. d) 1 P iterativ/Zyklen, 1 P Risikoorientierung.

Erklärung: Gute Antworten in a) bleiben nicht allgemein („agil ist flexibel“), sondern sagen, was in PflegeMobil konkret passiert – z. B. dass Pilot-Erkenntnisse im nächsten Sprint umgesetzt werden können.

PM-06 · Change-Management und Akzeptanz

Aufgabe PM-06.1 · 4 Punkte

a) Gründe für Ablehnung (2 P) – vier der folgenden

Angst vor Arbeitsplatzverlust · Angst vor Überforderung durch neue Technik · Angst vor Überwachung/Leistungskontrolle · Mehrarbeit während der Umstellung · Gewohnheit („Es hat doch immer funktioniert“) · Verlust von Kompetenz oder Status · fehlende Information, Unsicherheit · schlechte Erfahrungen mit früheren Einführungen · Nutzen nicht erkennbar.

b) Maßnahmen zur Akzeptanzförderung (2 P) – vier der folgenden

frühzeitige, offene Information · Beteiligung der Betroffenen (Workshops, Key-User, Feedback zu Prototypen) · Schulungen · Ansprechpartner und Support · Pilotphase mit Freiwilligen · Einbindung des Betriebsrats, Betriebsvereinbarung · Nutzen aufzeigen, schnelle Erfolge sichtbar machen · Zusagen zur Arbeitsplatzsicherheit · Feedbackkanal.

Bewertung: je Nennung 0,5 P.

Erklärung: „Nennen“ verlangt nur Stichworte; Erläuterungen bringen keine Zusatzpunkte.

Aufgabe PM-06.2 · 10 Punkte

a) Befürchtungen und Maßnahmen (6 P)

BefürchtungMaßnahme
Überwachung / Leistungskontrolle: „mit der Stoppuhr kontrolliert“ – Zeitstempel könnten zur Bewertung einzelner Pflegekräfte genutzt werdenBetriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat: Daten nur für Dokumentation und Abrechnung, keine personenbezogene Auswertung von Einsatzzeiten; offenlegen, welche Daten gespeichert werden und wer sie sieht
Überforderung durch die Technik und Angst, durch Fehleingaben die Abrechnung zu gefährden (Pflegekraft, 61 Jahre)Schulungen in Kleingruppen nach Kenntnisstand mit Übungsmodus; Key-User/Paten an jedem Standort und Hotline; Plausibilitätsprüfung und Korrekturmöglichkeit, sodass Fehler auffallen und behoben werden können
Technische Bedenken: in Orten ohne Netz funktioniert die App nichtOffline-Fähigkeit vorführen und erklären; den Pilotbetrieb bewusst auch in bekannten Funklöchern (z. B. Oberwiesental) testen; Rückmeldungen ernst nehmen

b) Konflikt mit Frau Lange (4 P)

Bewertung: a) je Zeile 1 P Befürchtung (aus Anlage 2, unterschiedlich), 1 P passende Maßnahme. Die positive Aussage der 27-jährigen Pflegekraft ist keine Befürchtung. b) je beschriebene Maßnahme 1 P, höchstens 4 P; nur „ein Gespräch führen“ ohne Inhalt 1 P.

Erklärung: Konfliktlösung bedeutet hier nicht, Frau Lange zu „überzeugen“, sondern ihre berechtigte Sorge durch Zusagen und eine neue, wertgeschätzte Rolle aufzulösen (Win-win).

Aufgabe PM-06.3 · 14 Punkte

a) Ziele des Workshops (6 P) – drei der folgenden

b) Vorteile der Pilotgruppe (4 P) – zwei der folgenden

c) Betriebsrat (4 P)

Die Spracheingabe ist eine technische Einrichtung, die dazu geeignet ist, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen (Aufnahmen, Zeitpunkte, Dauer). Dafür hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) – ohne seine Zustimmung darf sie nicht eingeführt werden; die bestehende Betriebsvereinbarung muss erweitert werden (2 P). Mögliche Regelungen (je 1 P):

Bewertung: a) je Ziel 2 P (Ziel + Konkretisierung zur KI-Spracheingabe). b) je Vorteil 2 P. c) 2 P Begründung (Mitbestimmung bei Überwachungseignung; Paragraf nicht erforderlich), je Regelungspunkt 1 P.

Erklärung: Entscheidend ist die Eignung zur Überwachung – ob der Arbeitgeber tatsächlich überwachen will, spielt für die Mitbestimmung keine Rolle.

PM-07 · Kosten, Make-or-Buy, Nutzwertanalyse

Aufgabe PM-07.1 · 6 Punkte

a) Kostenarten (4 P) – Beispiele

Kostenartkonkretes Beispiel
einmaligFremdleistung / Personalkosten EntwicklungFestpreis von Kranich für App, Webportal und Schnittstelle
einmaligSachkosten / Hardware120 Tablets à 380 €
einmaligLizenzkosten (Kauf)CareBill-Importmodul 6.000 €
einmaligSchulungskosten4 Stunden Schulung je Pflegekraft, Trainerin von Kranich
laufendLizenzkosten (Abo)MDM-Lizenz 3 € je Tablet und Monat
laufendKommunikationskostenMobilfunkverträge 8 € je Tablet und Monat
laufendBetriebskostenHosting im EU-Rechenzentrum 450 € pro Monat
laufendWartungskostenWartungsvertrag Kranich 1.800 € pro Monat, CareBill-Wartung 900 € pro Jahr

b) Make-or-Buy (2 P)

Entscheidung, ob eine Leistung selbst erstellt („Make“, Eigenentwicklung) oder von außen bezogen wird („Buy“, Kauf von Standardsoftware oder einer Komponente bzw. Fremdvergabe an einen Dienstleister) (1 P). Entschieden wird anhand von Kriterien wie Kosten, Zeit, eigenem Know-how, Abhängigkeit und Anpassbarkeit – in PflegeMobil z. B. beim Modul „automatische Tourenvorschläge“ (1 P).

Bewertung: a) je Zeile 0,5 P Kostenart + 0,5 P konkretes Beispiel; Einordnung einmalig/laufend muss stimmen. b) 1 P Definition, 1 P Kriterien oder Beispiel.

Erklärung: Kostenarten sind Oberbegriffe (Personal-, Sach-, Lizenzkosten …), Beispiele sind die konkreten Posten aus der Situation.

Aufgabe PM-07.2 · 10 Punkte

a) Festpreis Kranich (4 P)

RolleRechnungBetrag
Projektleitung320 h × 95 €30.400 €
Entwicklung2.400 h × 85 €204.000 €
UX-Design240 h × 80 €19.200 €
Test480 h × 75 €36.000 €
Auszubildende/r300 h × 30 €9.000 €
Festpreis298.600 €

b) Einmalige Gesamtkosten (4 P)

PositionRechnungBetrag
Kranich (Festpreis)aus a)298.600 €
Tablets120 × 380 €45.600 €
CareBill-Importmoduleinmalig6.000 €
Schulungszeit Pflegekräfte118 × 4 h × 32 €15.104 €
Trainerin Kranich24 h × 80 €1.920 €
einmalige Kosten gesamt367.224 €

Das Budget von 420.000 € wird eingehalten; es bleibt eine Reserve von 52.776 € (ca. 12,6 %).

c) Laufende Kosten pro Jahr (2 P)

MDM 120 × 3 € × 12 = 4.320 € · Mobilfunk 120 × 8 € × 12 = 11.520 € · Hosting 450 € × 12 = 5.400 € · CareBill-Wartung 900 € · Wartungsvertrag 1.800 € × 12 = 21.600 € → 43.740 € pro Jahr.

Bewertung: a) 3 P Rechenweg (je zwei richtige Positionen 1 P), 1 P Summe. b) 3 P Positionen (Tablets, Modul, Schulung inkl. Trainerin), 1 P Budgetvergleich. c) 1 P Positionen, 1 P Summe. Folgefehler werden nicht erneut abgezogen.

Erklärung: Häufige Fehler: Arbeitszeit der Pflegekräfte in der Schulung vergessen (sie kostet Geld, auch wenn keine Rechnung kommt), laufende Kosten in die einmaligen Kosten mischen oder monatliche Beträge nicht auf das Jahr hochrechnen.

Aufgabe PM-07.3 · 18 Punkte

a) Zukauf statt Eigenentwicklung (4 P)

Vorteile (zwei der folgenden): schneller einsatzbereit (6 bzw. 4 Wochen statt ca. 4 Monate) · geringere Gesamtkosten über fünf Jahre · erprobte Lösung mit Spezialwissen des Anbieters zur Routenoptimierung, das Kranich fehlt → geringeres technisches Risiko · Wartung und Weiterentwicklung durch den Anbieter · eigene Entwickler bleiben frei für die Kernfunktionen.

Nachteile (zwei der folgenden): Abhängigkeit vom Anbieter (Preiserhöhungen, Produkteinstellung) · eingeschränkte Anpassbarkeit an Besonderheiten der Pflege (feste Zeitfenster, möglichst dieselbe Pflegekraft) · laufende Lizenz- bzw. Abokosten · bei Variante C Datenschutzproblem: Patientenadressen werden auf Server in den USA übertragen · Know-how bleibt beim Anbieter.

b) Gesamtkosten über fünf Jahre (4 P)

Varianteeinmalige Kostenlaufende Kosten pro JahrGesamtkosten 5 Jahre
A Eigenentwicklung600 h × 85 € = 51.000 €60 h × 85 € = 5.100 €51.000 + 5 × 5.100 = 76.500 €
B RouteMaster SDK9.500 € + 120 h × 85 € = 19.700 €4.800 €19.700 + 5 × 4.800 = 43.700 €
C OptiRoute API80 h × 85 € = 6.800 €650 € × 12 = 7.800 €6.800 + 5 × 7.800 = 45.800 €

c) Nutzwertanalyse (6 P)

KriteriumGewichtA gewichtetB gewichtetC gewichtet
Kosten über 5 Jahre30 %0,3 × 3 = 0,900,3 × 9 = 2,700,3 × 8 = 2,40
Datenschutz / Rechtssicherheit25 %0,25 × 9 = 2,250,25 × 8 = 2,000,25 × 2 = 0,50
Zeit bis zur Einsatzbereitschaft15 %0,15 × 3 = 0,450,15 × 8 = 1,200,15 × 9 = 1,35
Anpassbarkeit15 %0,15 × 10 = 1,500,15 × 6 = 0,900,15 × 4 = 0,60
Unabhängigkeit15 %0,15 × 10 = 1,500,15 × 5 = 0,750,15 × 3 = 0,45
Nutzwert100 %6,607,555,30
Rang213

Mit Gewichten als ganze Zahlen (30 × 3 = 90 …) ergeben sich 660 / 755 / 530 – ebenfalls richtig.

d) Empfehlung (4 P)

Empfohlen wird Variante B (RouteMaster SDK): Sie hat den höchsten Nutzwert (7,55) und die geringsten Gesamtkosten über fünf Jahre (43.700 €). Die Daten bleiben auf dem eigenen Server im EU-Rechenzentrum, und mit ca. sechs Wochen ist das Modul rechtzeitig vor dem Go-Live einsatzbereit. Variante C scheidet trotz niedriger Kosten praktisch aus, weil Patientenadressen in die USA übertragen würden; Variante A ist am teuersten und langsamsten, und dem Team fehlt das Know-how (2 P).

Schwäche der Nutzwertanalyse: Gewichte und Punkte sind subjektiv – mit anderen Gewichten (z. B. Kosten nur 15 %, Unabhängigkeit 30 %) läge A mit 7,65 vor B mit 6,95; die Zahlen täuschen eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt. Außerdem kann ein schwerer Mangel (Datenschutzverstoß bei C) durch gute Werte bei anderen Kriterien „ausgeglichen“ werden – deshalb sollten K.-o.-Kriterien vorher geprüft werden (2 P).

Bewertung: a) je Vor- bzw. Nachteil 1 P. b) je Variante 1 P, 1 P für den vollständigen Ansatz (einmalig + 5 × laufend). c) 3 P gewichtete Punkte (je Variante 1 P), 2 P Nutzwerte, 1 P Rangfolge. d) 2 P begründete Empfehlung mit Bezug auf b) und c), 2 P Schwäche. Eine andere Empfehlung (z. B. A wegen Know-how-Aufbau für weitere Pflegeprojekte) ist bei schlüssiger Begründung ebenfalls voll zu bewerten.

Erklärung: Kosten- und Nutzwertvergleich zeigen hier in dieselbe Richtung. Interessant wird es, wenn sie sich widersprechen – dann muss die Empfehlung abwägen.

PM-08 · Netzplan

Aufgabe PM-08.1 · 6 Punkte

a) Vollständiger Netzplan (4 P)

1 Angebote einholen 4 0 4 0 4 0 0 2 Tablets bestellen und liefern lassen 10 4 14 4 14 0 0 3 MDM-Server einrichten 3 4 7 9 12 5 0 4 MDM-Richtlinien festlegen 2 7 9 12 14 5 5 5 Tablets registrieren, App installieren 4 14 18 14 18 0 0
Abb. L-2: Netzplan „Tablets bereitstellen“ – kritischer Pfad dick/rot
Nr.VorgangDFAZFEZSAZSEZGPFP
1Angebote einholen4040400
2Tablets bestellen und liefern lassen1041441400
3MDM-Server einrichten34791250
4MDM-Richtlinien festlegen279121455
5Tablets registrieren, App installieren41418141800

Ergänzte Werte: Vorgang 1 FP = 0 · Vorgang 3 FEZ = 7, SAZ = 9, SEZ = 12, GP = 5, FP = 0 · Vorgang 4 FAZ = 7, FEZ = 9, SAZ = 12, SEZ = 14, GP = 5, FP = 5 · Vorgang 5 SAZ = 14, SEZ = 18, GP = 0, FP = 0.

Rechenweg (Auszug): FEZ(3) = 4 + 3 = 7 · FAZ(4) = FEZ(3) = 7 → FEZ(4) = 9 · Rückwärts: SEZ(4) = SAZ(5) = 14 → SAZ(4) = 12 · SEZ(3) = SAZ(4) = 12 → SAZ(3) = 9 · GP(3) = 9 − 4 = 5 · FP(3) = FAZ(4) − FEZ(3) = 7 − 7 = 0 · FP(4) = FAZ(5) − FEZ(4) = 14 − 9 = 5.

b) Kritischer Pfad und Dauer (2 P)

Kritischer Pfad: 1 → 2 → 5; Dauer: 18 Tage.

Bewertung: a) 16 fehlende Werte, je vier richtige Werte 1 P (Folgefehler werden nicht erneut abgezogen). b) je 1 P für Pfad und Dauer.

Erklärung: Vorgang 3 hat 5 Tage Gesamtpuffer, aber keinen freien Puffer: Verzögert er sich, beginnt Vorgang 4 sofort später. Erst Vorgang 4 „besitzt“ den Puffer bis zum Start von Vorgang 5. Die 18 Tage passen zur Dauer von Vorgang B im Rollout-Netzplan (PM-08.3).

Aufgabe PM-08.2 · 12 Punkte

a) Netzplan (7 P)

A Spezifikation auswerten 4 0 4 0 4 0 0 B Datenmodell festlegen 3 4 7 4 7 0 0 C Testumgebung bereitstellen 8 4 12 7 15 3 0 D Export-Modul entwickeln 10 7 17 7 17 0 0 E Plausibilitäts- prüfung entw. 6 7 13 11 17 4 4 F Testdaten anlegen 2 12 14 15 17 3 3 G Integrations- test CareBill 5 17 22 17 22 0 0 H Abnahme durch Abrechnung 2 22 24 22 24 0 0
Abb. L-3: Netzplan „Schnittstelle CareBill“ – kritischer Pfad A → B → D → G → H
Nr.VorgangDFAZFEZSAZSEZGPFP
ASchnittstellenspezifikation auswerten4040400
BDatenmodell festlegen3474700
CTestumgebung bereitstellen841271530
DExport-Modul entwickeln1071771700
EPlausibilitätsprüfung entwickeln6713111744
FTestdaten anlegen21214151733
GIntegrationstest mit CareBill51722172200
HAbnahme durch die Abrechnung22224222400

Vorwärts: G hat drei Vorgänger → FAZ(G) = max(FEZ D = 17; FEZ E = 13; FEZ F = 14) = 17. Rückwärts: B hat zwei Nachfolger → SEZ(B) = min(SAZ D = 7; SAZ E = 11) = 7; A: SEZ(A) = min(SAZ B = 4; SAZ C = 7) = 4.

b) Kritischer Pfad und Dauer (2 P)

Kritischer Pfad: A → B → D → G → H; Dauer des Teilprojekts: 24 Arbeitstage.

c) Testumgebung dauert 12 statt 8 Tage (3 P)

C hat einen Gesamtpuffer von 3 Tagen. Die Verlängerung um 4 Tage übersteigt den Puffer um 1 Tag → das Teilprojekt endet einen Tag später, nach 25 Tagen. C wird kritisch; der neue kritische Pfad ist A → C → F → G → H (C: 4 → 16, F: 16 → 18, G: 18 → 23, H: 23 → 25). B und D haben nun je 1 Tag Gesamtpuffer.

A Spezifikation auswerten 4 0 4 0 4 0 0 B Datenmodell festlegen 3 4 7 5 8 1 0 C Testumgebung bereitstellen 12 4 16 4 16 0 0 D Export-Modul entwickeln 10 7 17 8 18 1 1 E Plausibilitäts- prüfung entw. 6 7 13 12 18 5 5 F Testdaten anlegen 2 16 18 16 18 0 0 G Integrations- test CareBill 5 18 23 18 23 0 0 H Abnahme durch Abrechnung 2 23 25 23 25 0 0
Abb. L-4: Neuberechnung mit C = 12 Tage – der kritische Pfad wechselt
Bewertung: a) 2 P Struktur (alle Knoten, Pfeile, insbesondere G nach D, E und F), 2 P Vorwärtsrechnung, 2 P Rückwärtsrechnung, 1 P Puffer. b) 1 P Pfad, 1 P Dauer. c) 1 P Ende nach 25 Tagen, 1 P Begründung über den Gesamtpuffer, 1 P neuer kritischer Pfad.

Erklärung: Typischer Fehler in c): „C ist nicht kritisch, also keine Auswirkung“. Ein nicht kritischer Vorgang verschiebt das Ende sehr wohl, sobald die Verzögerung seinen Gesamtpuffer übersteigt.

Aufgabe PM-08.3 · 23 Punkte

a) Erweiterter Netzplan (14 P)

Vorgangsliste aus dem Text: A (5, –) · B (18, A) · C (6, A) · D (12, A) · E (4, C) · F (10, B und D) · G (6, F) · H (8, E und G) · I (5, G) · J (2, H und I).

A Rollout- Konzept 5 0 5 0 5 0 0 B Tablets bereitstellen 18 5 23 5 23 0 0 C Schulungs- konzept 6 5 11 29 35 24 0 D Stammdaten migrieren 12 5 17 11 23 6 6 E Schulungs- unterlagen 4 11 15 35 39 24 24 F Pilotbetrieb Nord 10 23 33 23 33 0 0 G Pilot auswerten 6 33 39 33 39 0 0 H Pflegekräfte schulen 8 39 47 39 47 0 0 I Standorte vorbereiten 5 39 44 42 47 3 3 J Go-Live und Abnahme 2 47 49 47 49 0 0
Abb. L-5: Netzplan „Rollout PflegeMobil“ – kritischer Pfad A → B → F → G → H → J (49 Tage)
Nr.VorgangDFAZFEZSAZSEZGPFP
ARollout-Konzept erstellen5050500
BTablets bereitstellen1852352300
CSchulungskonzept erstellen65112935240
DStammdaten migrieren12517112366
ESchulungsunterlagen erstellen4111535392424
FPilotbetrieb Standort Nord102333233300
GPilot auswerten, App anpassen63339333900
HPflegekräfte schulen83947394700
IStandorte vorbereiten53944424733
JGo-Live und Abnahme24749474900

Wichtige Rechenschritte: FAZ(F) = max(FEZ B = 23; FEZ D = 17) = 23 · FAZ(H) = max(FEZ E = 15; FEZ G = 39) = 39 · FAZ(J) = max(FEZ H = 47; FEZ I = 44) = 47 · SEZ(G) = min(SAZ H = 39; SAZ I = 42) = 39 · SEZ(A) = min(SAZ B = 5; SAZ C = 29; SAZ D = 11) = 5.

b) Kritischer Pfad und Gesamtdauer (3 P)

Kritischer Pfad: A → B → F → G → H → J; Gesamtdauer: 49 Arbeitstage.

c) Freier Puffer und Gesamtpuffer am Beispiel C (2 P)

Der Gesamtpuffer ist die Zeit, um die ein Vorgang verschoben oder verlängert werden kann, ohne dass sich das Projektende verschiebt. Der freie Puffer ist die Zeit, um die er sich verschieben kann, ohne dass sich der früheste Anfang eines Nachfolgers verschiebt. C (Schulungskonzept) hat GP = 24 Tage: Er könnte bis zu 24 Tage später fertig werden, ohne den Go-Live zu gefährden. Sein FP ist aber 0: Jede Verzögerung verschiebt sofort den frühesten Beginn von E (Schulungsunterlagen), weil E direkt anschließt – der Puffer liegt „hinter“ E.

d) Verzögerungen (4 P)

Bewertung: a) 4 P Struktur und Abhängigkeiten (besonders F nach B und D, H nach E und G, J nach H und I), 4 P FAZ/FEZ, 4 P SAZ/SEZ, 2 P GP/FP; Folgefehler werden nicht erneut abgezogen. b) 2 P Pfad, 1 P Dauer. c) 1 P Unterschied, 1 P Anwendung auf C. d) je Fall 2 P (Ergebnis + Begründung über den Puffer).

Erklärung: Die häufigsten Fehler: E als Vorgänger von F statt von H eintragen (die Schulungsunterlagen werden erst für die Schulung gebraucht) und bei H das Maximum vergessen. Wer den Text zuerst in eine Vorgangsliste übersetzt, vermeidet beides.

PM-09 · Machbarkeitsanalyse

Aufgabe PM-09.1 · 4 Punkte

a) Zeitpunkt und Ziel (2 P)

Die Machbarkeitsanalyse findet vor dem eigentlichen Projektstart statt, in der Initialisierungsphase bzw. vor dem Projektauftrag oder der Vergabe (1 P). Sie prüft, ob das Vorhaben unter den gegebenen Rahmenbedingungen realisierbar und sinnvoll ist, und liefert eine Entscheidungsgrundlage (durchführen, anpassen, verwerfen), damit keine Fehlinvestition entsteht (1 P).

b) Kriterien (2 P) – vier der folgenden

technische · wirtschaftliche · rechtliche · organisatorische bzw. personelle · zeitliche Machbarkeit (auch: ökologische).

Bewertung: b) je Kriterium 0,5 P.

Erklärung: Die Machbarkeitsanalyse beantwortet „Können und sollen wir das?“, die Risikoanalyse im laufenden Projekt „Was kann schiefgehen?“.

Aufgabe PM-09.2 · 8 Punkte

Zwei der folgenden Kriterien, jeweils benannt und am Projekt erläutert:

Bewertung: je Kriterium 4 P: 1 P Benennung, 1 P allgemeine Erläuterung (Leitfrage), 2 P konkrete Prüfpunkte für PflegeMobil. Ohne Projektbezug höchstens 2 P je Kriterium.

Erklärung: Das entspricht genau dem Aufgabentyp aus W25 T1 A1a. Der Projektbezug bringt die Hälfte der Punkte – Fakten aus der Ausgangssituation nutzen.

Aufgabe PM-09.3 · 12 Punkte

a) Prüfung der Varianten (8 P)

KriteriumVariante 1 (Cloud „VoxCloud“)Variante 2 (Offline auf dem Tablet)
technischErkennungsrate 95 % ≥ 90 % → Nutzen erreichbar; benötigt aber durchgehend Internet – in den vielen Funklöchern nicht nutzbar; keine Erfahrung bei Kranich. → eingeschränkt machbarfunktioniert ohne Netz, aber Erkennungsrate 82 % < 90 % → Korrekturaufwand frisst die Ersparnis; benötigt 8 GB RAM, die Tablets haben nur 4 GB. → nicht machbar (mit vorhandener Hardware)
wirtschaftlich25.000 € Entwicklung + 1.800 € pro Monat (21.600 € pro Jahr); im ersten Jahr im Budget von 60.000 €; dem steht ein kalkulatorischer Nutzen von ca. 260.000 × 1 Min. ≈ 4.333 h × 32 € ≈ 138.700 € pro Jahr gegenüber. → machbar45.000 € + 120 × 520 € = 62.400 € → 107.400 € > 60.000 € Budget; Nutzen wegen 82 % fraglich. → nicht machbar
rechtlichGesundheitsdaten werden auf Server in den USA übertragen; der Datenschutzbeauftragte lehnt das ohne zusätzliche Garantien ab; Aufnahmen Dritter. → nicht machbar (in dieser Form)Verarbeitung lokal, kein Drittlandtransfer; Aufnahmen Dritter und Erweiterung der Betriebsvereinbarung müssen geregelt werden. → eingeschränkt machbar
zeitlichTeam ab April 2028 frei, Frist 30.06.2028 = 3 Monate; Entwicklung 3 Monate → nur ohne jeden Puffer. → eingeschränkt machbar5 Monate Entwicklung > 3 Monate verfügbar. → nicht machbar

b) Empfehlung (4 P)

Die Spracheingabe sollte in der geplanten Form nicht umgesetzt werden: Variante 1 scheitert rechtlich (US-Server für Gesundheitsdaten) und ist in Funklöchern nicht nutzbar; Variante 2 scheitert am Budget, an der Hardware, an der zu geringen Erkennungsrate und am Termin. Empfehlung an die Geschäftsführerin: Phase 2 zunächst ohne Spracheingabe abschließen und die Spracheingabe mit Änderungen neu prüfen – z. B. einen Anbieter mit Servern in der EU suchen, Diktate offline zwischenspeichern und bei Netz übertragen, vorab einen Pilot mit zehn Freiwilligen durchführen, die Betriebsvereinbarung erweitern und den Termin auf Ende 2028 verschieben.

Bewertung: a) je Zelle 1 P (Fakten aus Anlage 8 + nachvollziehbare Bewertung; Rechnung bei „wirtschaftlich“ Variante 2 erforderlich). b) 2 P klare Empfehlung mit Bezug auf a), 2 P Begründung bzw. Alternative. Eine andere Empfehlung (z. B. „Variante 1 nach Wechsel zu einem EU-Anbieter durchführen“) ist bei schlüssiger Begründung voll zu bewerten.

Erklärung: Eine Machbarkeitsanalyse endet nicht mit „ja/nein“ je Kriterium, sondern mit einer Gesamtempfehlung. Ein einziges „nicht machbar“ in einem K.-o.-Bereich (Recht) reicht, um eine Variante in der vorliegenden Form zu stoppen.

PM-10 · Nutzen eines Systems beschreiben

Aufgabe PM-10.1 · 4 Punkte

a) Unterschied (2 P)

Quantitativer Nutzen lässt sich in Zahlen bzw. Geld messen, z. B. eingesparte Stunden oder Euro (1 P). Qualitativer Nutzen lässt sich nicht oder nur schwer in Zahlen ausdrücken und wird beschrieben, z. B. Zufriedenheit oder Image (1 P).

b) Beispiele (2 P)

Quantitativ: 1,5 Minuten weniger Dokumentation je Einsatz (rund 6.500 Stunden pro Jahr); 7.800 € pro Jahr weniger Druck- und Papierkosten; 4 % weniger gefahrene Kilometer. Qualitativ: zufriedenere Pflegekräfte (kein Nachtragen am Wochenende); bessere, prüfsichere Dokumentation; attraktiverer Arbeitgeber; mehr Transparenz für die PDL.

Bewertung: a) je Begriff 1 P. b) je passendes Beispiel aus PflegeMobil 1 P.

Erklärung: Ein qualitativer Nutzen kann manchmal nachträglich gemessen werden (z. B. per Umfrage) – entscheidend ist, dass er sich nicht direkt in Geld ausdrücken lässt.

Aufgabe PM-10.2 · 8 Punkte
ZielgruppeVorteil (Beispiele)
Pflegekräfteweniger Zeit für die Dokumentation (von 4,0 auf 2,5 Minuten je Einsatz) und kein Nachtragen von Zetteln am Wochenende; Tourenplan und Navigation auf dem Tablet, Änderungen bei Krankmeldungen sofort sichtbar – mehr Zeit für die eigentliche Pflege
Patientinnen, Patienten, Angehörigedie Pflegekraft hat mehr Zeit für die Pflege statt für Papierkram; verlässlichere Einsatzzeiten durch bessere Tourenplanung; vollständige, gut lesbare Dokumentation; später Information über die Ankunftszeit (Phase 2)
Verwaltung / Abrechnungkein manuelles Übertragen mehr (120 statt 20 Stunden pro Monat); weniger Übertragungsfehler (von ca. 4 % auf unter 0,5 %); fehlende Unterschriften werden sofort erkannt; Abrechnung bis zum 5. statt 15. Werktag
Geschäftsführungschnellere Abrechnung verbessert die Liquidität; weniger nicht abrechenbare Leistungen (0,8 % → 0,2 % von 9,5 Mio. € ≈ 57.000 € Mehrerlös pro Jahr); geringere Sach- und Fahrtkosten; attraktiver Arbeitgeber im Fachkräftemangel; prüfsichere Dokumentation
Bewertung: je Zielgruppe 2 P: 1 P Vorteil, 1 P Begründung bzw. Konkretisierung (möglichst mit Zahl aus Anlage 1 oder 7). Ein Vorteil, der nicht zur Zielgruppe passt, wird nicht gewertet.

Erklärung: Wie in S24 zählt die Perspektive: Derselbe Effekt (schnellere Abrechnung) ist für die Verwaltung Arbeitserleichterung und für die Geschäftsführung Liquidität.

Aufgabe PM-10.3 · 16 Punkte

a) Jährlicher quantitativer Nutzen (6 P)

PositionRechnungBetrag pro Jahr
(1) Pflegekräfte260.000 Einsätze × (4,0 − 2,5) Min. = 390.000 Min. = 6.500 h × 32 €/h208.000 €
(2) Verwaltung(120 − 20) h × 12 Monate = 1.200 h × 28 €/h33.600 €
(3) Sach- und Raumkosten7.800 € + 2.400 €10.200 €
(4) Fahrtkosten1.100.000 km × 4 % = 44.000 km × 0,30 €/km13.200 €
Summe265.000 €

b) Amortisationsdauer (3 P)

Jährlicher Rückfluss = 265.000 € − 43.740 € = 221.260 € · Amortisationsdauer = 367.224 € ÷ 221.260 € pro Jahr ≈ 1,66 Jahre (ca. 1 Jahr und 8 Monate).

Mit den Ersatzwerten: (265.000 € − 45.000 €) = 220.000 € · 360.000 € ÷ 220.000 € ≈ 1,64 Jahre.

c) Nur zahlungswirksame Effekte (4 P)

Mehrerlös durch weniger nicht abrechenbare Leistungen: 9.500.000 € × (0,8 % − 0,2 %) = 57.000 € · Zahlungswirksamer Nutzen = 10.200 € + 13.200 € + 57.000 € = 80.400 € · Rückfluss = 80.400 € − 43.740 € = 36.660 € pro Jahr · Amortisationsdauer = 367.224 € ÷ 36.660 € ≈ 10,0 Jahre (Ersatzwerte: 35.400 €; 360.000 € ÷ 35.400 € ≈ 10,2 Jahre).

Beurteilung: Rein finanziell amortisiert sich das Projekt erst nach etwa zehn Jahren – deutlich länger als die übliche Nutzungsdauer von Tablets (3–5 Jahre) und Software. Der große Nutzen aus a) besteht vor allem aus gewonnener Arbeitszeit (6.500 Stunden, rund vier Vollzeitstellen), die nicht automatisch Geld spart, weil niemand entlassen wird. Wirtschaftlich wird sie erst, wenn sie genutzt wird – für zusätzliche abrechenbare Einsätze, weniger Überstunden und Aushilfen oder als Entlastung im Fachkräftemangel. Die Entscheidung sollte daher nicht allein an der Amortisationsdauer hängen, sondern auch die qualitativen Nutzen einbeziehen.

d) Qualitative Nutzen (3 P) – drei der folgenden

Bewertung: a) (1) 2 P, (2)–(4) je 1 P, Summe 1 P. b) 1 P Rückfluss, 1 P Ansatz, 1 P Ergebnis. c) 2 P Rechnung (Mehrerlös 57.000 € erkannt), 2 P Beurteilung (Zeitersparnis ≠ Geldersparnis, Vergleich mit der Nutzungsdauer). d) je qualitativer Nutzen 1 P. Folgefehler aus PM-07.2 werden nicht abgezogen.

Erklärung: Die zweite Rechnung ist der Kern der Aufgabe: Eine ehrliche Projektbegründung trennt zahlungswirksame von kalkulatorischen Einsparungen. Wer die laufenden Kosten vergisst, kommt auf zu kurze Amortisationszeiten (1,39 bzw. 4,6 Jahre).